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pte100615030 Medien/Kommunikation, Politik/Recht |
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Aus für ORF Futurezone: "Durchsichtiges Begehren der Privaten"
Heftige Diskussionen um den Erhalt des Online-Angebots
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| Kritik an geplanter Einstellung der FuZo (Foto: futurezone.orf.at) |
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Wien
(pte/15.06.2010/14:40) -
Das bevorstehende Aus für das ORF-Online-Magazin Futurezone http://futurezone.orf.at schlägt immer höhere Wellen. In der deutschsprachigen Netz-Community wird über das Einstellen des Special-Interest-Angebots diskutiert - viele kritisieren den neuen ORF-Gesetzesentwurf, aus dem die Einschränkung des Online-Auftritts hervorgeht, heftig. Beklagt wird etwa, dass hier ein billiger Tauschhandel - mehr Werbung für den ORF gegen weniger Onlineinhalte - vollzogen worden sei.
Die Redakteursvertretung von ORF.at läuft Sturm gegen den geplanten Kompromiss. Am heutigen Dienstag wurde auch eine außerordentliche Betriebsversammlung einberufen, um das drohende Aus zu diskutieren. Völliges Unverständnis herrsche darüber, wie die ORF-Geschäftsführung in direkten Verhandlungen mit dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) derartigen Beschränkungen zustimmen konnte. Es werfe ein schlechtes Licht auf demokratische Grundverständnisse, wenn die Futurezone (FuZo) als "Bauernopfer" herhalten müsse, kritisieren die Redakteursvertreter.
Nicht zuletzt fürchten die Mitarbeiter auch um ihre Arbeitsplätze. "In der laufenden Betriebsversammlung wird die Belegschaft von ORF Online über weitere Maßnahmen beraten, etwa die Forderung nach einer verbindlichen Zusage über den - auch qualitativen - Erhalt der Arbeitsplätze", heißt es in einer aktuellen Aussendung des Betriebsrats.
Aggressivität der Privatwirtschaft
Darüber hinaus zeigen sich auch Medienexperten äußerst skeptisch gegenüber der jetzt vorgesehenen "Lösung". "Die privatwirtschaftliche Konkurrenz des ORF sucht ordnungspolitisch mehr Geschäftsraum für sich. Sie tat es bisher nicht in der aktuell feststellbaren Aggressivität", sagt Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien gegenüber pressetext. "Nun tun sich aber neue ertragreiche Mediengeschäftsfelder auf, weshalb besonders entwickelte und angesehene ORF-Onlineangebote wie die FuZo attackiert werden."
Hausjell kritisiert, dass den Forderungen der Privaten von Seiten der Politik nicht Einhalt geboten wird. "Der Gesetzgeber sollte solch durchsichtigem Begehren einen Riegel vorschieben, denn es ist zweifellos Aufgabe des öffentlich-rechtlichen ORF die Media Literacy der Bevölkerung zu fördern, wozu die Futurezone wesentlich beiträgt."
Zwar würden sich fast alle politischen Parteien in Österreich zu einem starken öffentlich-rechtlichen ORF bekennen, aber die gelebte Praxis dahinter sei sündig. "Das parteipolitische Begehren um mächtigen Einfluss und die Verpflichtung gegenüber den marktpolitischen Interessen der privatwirtschaftlichen Medien sind oft stärker als die Maßnahmen, die einen ORF unabhängiger werden ließen."
Widerstand im Netz
Mittlerweile hat sich auch die Online-Community auf Facebook in einer eigenen Gruppe organisiert, um das Einstellen zu verhindern. Die Initiative "Retten wir die Futurezone!" will die Plattform notfalls übernehmen, damit der Fortbestand gesichert ist. Ein Gesetz, das auf Wunsch der Zeitungsverleger festlegt, was "in Medien steht oder welche Medien erscheinen dürfen" sei absurd und widerspreche der journalistischen Freiheit schreiben die Mitglieder. "Eine Einmischung Dritter schadet der Pressefreiheit und dem Qualitätsjournalismus."
Die Futurezone, die über eine eigenständige Redaktion verfügt, genießt im gesamten deutschsprachigen Raum einen guten Ruf und wird vor allem für netzpolitische bzw. tiefgreifend recherchierte Feuilleton-Artikel geschätzt. Gleichzeitig kritisieren Befürworter der FuZo-Einstellung, die Plattform diene als Hofberichterstatter für bestimmte IT-Konzerne.
(Ende)
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