pte20080819023 Unternehmen/Wirtschaft, Auto/Verkehr

Billigautos überschwemmen den Automobilmarkt

Umdenken bei Konsumenten verlangt Zulieferern neue Konzepte ab


A.T. Kearney-Automotive-Experte Jörg Branschädel (Foto: A.T. Kearney)
A.T. Kearney-Automotive-Experte Jörg Branschädel (Foto: A.T. Kearney)

Wien (pte023/19.08.2008/13:00) "Billigautos werden das Marktsegment der Zukunft sein. Die steigenden Treibstoffkosten haben bei den Verbrauchern mittlerweile zu einem radikalen Umdenken geführt, das sowohl die Automobilhersteller als auch deren Zulieferer vor neue Herausforderungen stellt." Zu diesem Fazit gelangt Jörg Branschädel, Automotive-Experte bei der Beratungsfirma A.T. Kearney http://www.atkearney.com , anlässlich einer heute, Dienstag, präsentierten Studie. Gegenüber pressetext weist der Experte darauf hin, dass 2015 allein für den österreichischen Markt bis zu 15.000 Neuzulassungen für Kleinst- und Kleinwagen unter 10.000 Euro zu erwarten sind. Obwohl sich daraus Chancen für die Zulieferer ergeben, müssen sich vor allem österreichische Marktteilnehmer auf das neue Billigstsegment noch einstellen.

Ein Hauptgrund für den Umstieg vieler Autofahrer liegt den Studienautoren zufolge vor allem darin, dass die Kosten rund um das Autofahren in den letzten Jahren stärker angestiegen sind als das Einkommen der Österreicher. Hierbei schlagen Treibstoffkosten deutlich zu Buche. So müssen die Konsumenten heute rund 50 Cent pro Liter mehr für Diesel ausgeben als noch vor acht Jahren. Angesichts dieser Preissteigerungen entsteht im Hinblick auf Billigautos für die Hersteller laut Branschädel "ein völlig neuer Markt". So wird davon ausgegangen, dass dieses Marktsegment bis 2020 besonders in Indien und anderen asiatischen Ländern rasant wachsen wird. "Nur wer dieses Billigsegment in Zukunft wirklich versteht, wird auf der Gewinnerseite bleiben. Das heißt, neben der Produktion aus Kostengründen zunehmend auch die Entwicklung der Fahrzeuge in Niedriglohnländer zu verlagern", unterstreicht der Fachmann.

Diese Einschätzung stützt sich darauf, dass Kleinwagen unter einem Preis von 10.000 Euro rentabler werden. Schließlich stiegen die jährlichen Betriebskosten in der unteren Mittelklasse bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 12.000 Kilometern im Jahr um etwa 500 Euro. Treibstoffpreise hingegen kletterten in dieser Periode um bis zu 40 Prozent schneller als der Pkw-Kostenindex. Demnach wird das Gesamtwachstum des Segments mit den bisher meisten Billigautos, den Kleinstwagen, mit 17 Prozent jährlich für die kommenden Jahre erwartet. Bei einem Vergleich der Basispreise der meistzugelassenen Segmente Kleinst- und Kleinwagen sowie untere Mittelklasse fand man heraus, dass ein besonders hohes Einsparpotenzial bis zu 5.600 Euro in der unteren Mittelklasse besteht, wenn auf Billigmodelle umgestiegen wird.

Durch den demzufolge deutlich reduzierten Wertverlust ergibt sich somit trotz der in Österreich steigenden Betriebskosten ein jährliches Nettoeinsparungspotenzial von bis zu 600 Euro. "Durch den Kauf eines Billigautos wird es für die Konsumenten möglich, die Betriebskostensteigerungen sogar überzukompensieren", so Branschädel gegenüber pressetext. Das Wachstum bei Kleinstwagen unter einem Anschaffungspreis von 6.000 Euro resultiert daraus, dass die Hersteller verstärkt neue Käufer- und Einkommensschichten erreichen können, die bislang noch vom Markt vollständig ausgeschlossen waren. Neben dem immensen Marktpotenzial ergeben sich jedoch große Herausforderungen insbesondere für die österreichischen Zulieferer. "Aufgrund der bisherigen Fokussierung auf das europäische Premiumsegment fehlt oft der Zugang zum Markt, um das Potenzial des Billigsegments erfolgreich auszuschöpfen", verdeutlicht A.T.-Automotive-Experte Rüdiger Pleines.

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